Im Gespräch mit Kazutoshi Mizuno

 

Kazutoshi Mizuno
Chief Vehicle Engineer/Chief Product Specialist

 

Wie wird wohl die Auto-Welt reagieren, wenn Nissan diesen vielseitig begabten Supersportwagen enthüllt? Ich kann es kaum noch erwarten, das herauszufinden...

Der neue GT-R führt die Tradition einer langen Ahnenreihe von GT-R-Modellen fort, die immer die höchste Vollendung der japanischen Skyline-Baureihe darstellten. Nun erscheint er als „Supersportwagen, der die Welt auf eine besondere Weise neu inspiriert“ in neuer Auflage. Im Wesentlichen hat der neue Nissan GT-R zwei Aufgaben zu erfüllen:

Die Verkörperung der technischen Kompetenz von Nissan
Der neue GT-R ist das technische Aushängeschild der Marke. Ein Supersportwagen mit hoher aktiver Sicherheit und überragender Fahrdynamik, der aber auch in puncto passive Sicherheit und Umweltverträglichkeit seiner Verantwortung gerecht wird. Zugleich ging Nissan beim GT-R-Projekt auch bei der Entwicklung technischer Lösungen, bei der Zusammensetzung der Techniker-Teams, bei den Messmethoden während der Testfahrten und in der Produktion sowie bei der Qualitätssicherung neue Wege. Gekrönt wurde das in vieler Hinsicht einmalige Projekt durch die Schaffung eines eigenständigen Vertriebs- und Servicesystems mit exklusiven GT-R-Händlern.

Gründung eines komplett neuen Marktes für Supersportwagen
Des weiteren sieht Nissan in dem neuen GT-R das Potenzial für die Eröffnung einer neuen Rubrik im Segment der Supersportwagen. Bislang war deren Einsatz- und Kundenspektrum aufgrund ihrer teils exotischen Bauweise eher begrenzt. Ging es nur zum Bäcker oder lag morgens Schnee, blieb das sensible Vollblut lieber in der Garage. Beim neuen GT-R ging es Nissan dagegen um ein Fahrzeug, dass die Sicherheit und die souveräne Leistung eines Supersportwagens für jedermann, an jedem Ort und zu jeder Zeit zugänglich macht. Der GT-R ist in der Tat sehr schnell zu bewegen, zugleich aber erstaunlich sparsam und alltagstauglich. So wird er zu einem Sportwagen mit vielen Talenten, eine völlig neue Inkarnation dieses Fahrzeugtyps.

Als Renningenieur und Teamchef habe ich in den 1990er Jahren an vielen internationalen Automobilrennen teilgenommen. Darunter waren die japanische Gruppe-C-Serie, die 24 Stunden von Daytona und Le Mans, die japanische GT-Meisterschaft – die wir mit dem Skyline GT-R bestritten – und die Formel 3000. Dank der Unterstützung meines Teams und der Fans hatte ich die große Freude, eine Reihe von Meistertiteln feiern zu können.

Während dieser Phase habe ich mir immer wieder dieselbe Frage gestellt: „Warum nutzen wir die Leistung und Sicherheit unserer Rennwagen nicht stärker für unsere Serienautomobile?“ Selbst in der euphorischen Zeit nach einem Titelgewinn zermarterte ich mir mit dieser Frage das Gehirn.

Rennwagen bleiben dank des großen Anpressdrucks, den die Aerodynamikbauteile bewirken, und der gleichmäßigen Lastverteilung auf alle vier Räder unter allen Bedingungen extrem fahrstabil. Fahrer beschreiben dieses Gefühl mit dem Satz „die Reifen saugen sich an den Asphalt.“ Des weiteren sind die Rennwagen extrem sicher, bewahren selbst bei schwersten Unfällen die Fahrer vor schweren Verletzungen. Auch hier die Frage: Warum wenden wir diese Technologien zum Wohle der Kunden nicht stärker im Serienbau an?

Also formulierte ich in meinem Kopf ein Konzept, wie man künftig Rennsporttechnik stärker für die Großserie nutzbar machen könnte, beendete meine Karriere an der Rennstrecke und kümmerte mich fortan um die Entwicklung von Fahrzeugen für die Straße. Ich tat mich mit gleichgesinnten Leuten, die meinen Traum teilten, zusammen. Und gemeinsam entwickelten wir das so genannte „FrontMidship“-Paket. Seine erste Umsetzung erfuhr es im Nissan Skyline und Nissan 350Z.

Die Essenz der Front-/Mittelmotorbauweise lässt sich mit dem Terminus „Flat-Ride“ beschreiben. Ein Handling wie auf Schienen, eine perfekt reagierende Fahrmaschine, die Kurven praktisch ohne Karosserieneigung durcheilt. Das so genannte „Premium Midship package“, wie wir es jetzt erstmals im Nissan GT-R umgesetzt haben, steigert den Grad der Fahrfreude nochmals weiter. Es ist das Produkt unserer Anstrengungen, den Supersportwagen mit den weltweit besten Allround-Eigenschaften zu konstruieren.

Auf dem Weg dorthin studierten wir noch einmal die fundamentalen Prinzipien eines Autos, ohne dass wir dazu Kategorien wie Rennwagen, Serienwagen etc. bildeten. Dabei kamen wir auf zwei Kernweisheiten: 1.) Ein Luftstrom kann Kraft erzeugen und 2.) wenn Gewicht gleich auf alle vier Räder verteilt wird, bauen die Reifen maximale Haftung auf.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse wurde jede Komponente des Nissan GT-R – die Karosserie, der Motor, die Kraftübertragung, die Aufhängungen, die Reifen, ja einfach alles – komplett neu und exklusiv für den GT-R entwickelt. Mitglieder der Planungsgruppe, der Design- und Testabteilung und der Produktion formten ein eingeschworenes Team, das diesen einzigartigen Wagen in enger Abstimmung entwickelte und obendrein eine völlig neue Verkaufs- und Servicestruktur aufbaute.

Wie gesagt: „Ein Supersportwagen für jedermann, zu jeder Zeit und an jedem Ort.“ Das ist unser Anspruch und das heißt: Der Nissan GT-R fühlt sich - in den Händen eines erfahrenen Piloten - auf einer Rennstrecke ebenso wohl wie auf der Fahrt eines Normalfahrers zu seinem Wochenenddomizil. Auch auf nassen und schneebedeckten Straßen bringt der GT-R seine Insassen sicher ans Ziel. Er hat halt zwei Seelen in seiner Brust: Auf der einen Seite ist es möglich, mit ihm im Stil eines GT-Wagens komfortabel zu reisen, auf der anderen Seite umrundete er die Nordschleife des Nürburgrings in einer Zeit von 7.38 Minuten – und das, obwohl die Strecke im berüchtigten Streckenteil Kesselchen nass war. Zugleich geht der neue Nissan GT-R schonend mit den natürlichen Umwelt-Ressourcen um und bietet seinen Passagieren bestmöglichen aktiven und passiven Schutz.

Es gab Ende der 70er Jahren eine echte Supercar-Welle. Ich bin sicher, dass schon damals viele Leute davon geträumt haben, einmal einen solchen Exoten zu besitzen und die Fahrt mit ihm voll auszukosten. Der Nissan GT-R verfolgt rund 30 Jahre danach einen anderen Ansatz als diese Autos – will aber dennoch die Träume von damals wahr machen. Diese neue Art des Supersportwagens besinnt sich auf die ursprünglichen Prinzipien der Fortbewegung: Auf das Fahren auf gerader Strecke, auf Kurvenfahrten, aufs Bremsen. Im Nissan GT-R spiegeln sich daher meine Hoffnungen wider, in der heutigen Zeit mit einem Supersportwagen ein weltweites Publikum neu zu begeistern.

 

 


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